In etwas mehr als einer Stunde Gehzeit erreicht man über Wanderweg SAT 213A die historische Stellung, an der sich einst die von österreichischen Truppen installierte 15-cm-Škoda-Kanone zur Verteidigung der Front befand.
Seit 2008, als sowohl die Geschützstellung als auch die Kanone restauriert wurden, ist die „Bocchetta del Cannone“ zu einem äußerst beliebten Ziel für Alpinisten und Wanderer auf dem Weg zur Rifugio Carè Alto Schutzhütte geworden.
Nach Verlassen der Hütte begibt man sich nicht nur auf eine Wanderung, sondern auf eine regelrechte Reise in die Vergangenheit – auf den Spuren jener, die sich nicht nur dem Feind, sondern auch einer der denkbar härtesten Umgebungen stellen mussten. Der Weg schlängelt sich durch eine von Fels und eisiger Stille geprägte Landschaft, die einst vom Lärm des Krieges zerrissen wurde. Jeder Schritt zur „Bocchetta del Cannone“ ist eine Hommage an die Tragik, aber auch an den Einfallsreichtum des Menschen. Denn genau hier zeigt sich der vielleicht erstaunlichste und zugleich härteste Aspekt des Gebirgskrieges: Soldaten der k.u.k. Armee vollbrachten die titanische Leistung, eine imposante 15-cm-Škoda-Kanone Stück für Stück in diese Höhen zu transportieren – dorthin, wo dünne Luft und Anstrengung jeden Atemzug fordern.
Neben der mit unsäglichem Aufwand errichteten Geschützstellung spürt man sowohl den Mut als auch die Verzweiflung jener, die zwischen 1915 und 1918 das Adamello-Massiv in ein eisiges Schlachtfeld verwandelten. Strategisch positioniert diente die Kanone der Verteidigung des Gebietes und beherrschte Täler und Gletscher, die Schauplatz erbitterter Kämpfe wurden. Nur vom Wind unterbrochen, ist heute wieder Stille eingekehrt. Die „Bocchetta” ist längst kein Ort des Konflikts mehr, sondern eine Stätte der Besinnung. Wer sie erreicht, erlebt Geschichte hautnah, während zugleich die erhabene Schönheit der umliegenden Gipfel beeindruckt und die Erinnerung an jene wachgehalten wird, die auf dem „Dach der Welt“ kämpften.
Bitte beachten: Um diese Route zu erreichen, muss zunächst der Abschnitt von Pian de la Sega (1.250 m) zur Schutzhütte Rifugio Carè Alto „Dante Ongari“ (2.450 m) zurückgelegt werden. Diese rund 5 km lange Strecke umfasst etwa 1.200 Höhenmeter und eine Gehzeit von ungefähr 3 Stunden. Weitere Details unter: Val di Borzago – La Via delle Valli.